News Ticker
  • Cay Rademacher: „Gefährliche Côte Bleue“

    24. September 2020 0
    Ein jeder Protagonist braucht seinen Antagonisten. Und was den geschassten Pariser Korruptionsermittler Roger Blanc anlangt, er hat es verstanden, sich eine Menge Feinde zu verschaffen. Dramaturgisch zwar notwendig; in seiner Ausführung schießt Autor Cay Rademacher da leider oft genug am Ziel vorbei. „Gefährliche Côte Bleue“ Weiterlesen
  • Druckkostenzuschussverlage vs. echte Verlage

    13. September 2020 0
    Die mit der Überschrift gestellte Frage lässt sich mit einem konsequenten „Jein“ ebenso beantworten wie mit einem zögerlichen „Nein“ oder einem vorsichtigen „Ja“. Es kommt immer drauf an, aus welchen Blickwinkel man einen Druckkostenzuschussverlagen betrachtet, mit welcher Grundeinstellung man einem solchen Dienstleister gegenüber steht. Oder, Weiterlesen
  • Vorhersehbar. Platt. Phantasielos.

    31. März 2018 0
    Blutroter Sonntag – da könnte es um einen knalligen Sonnenaufgang gehen. Oder einen romantischen Sonnenuntergang. Aber weit gefehlt. Es handelt sich um einen Krimi mit Mord und Totschlag. Also meint blutrot genau das, was es meinen soll: Blut und rot eben. Und der „Blutrote Sonntag“ Weiterlesen
  • Andalusischer Regen

    24. Januar 2020 0
    Die Suche nach den vergessenen Gefühlen seiner inzwischen längst verlorenen gegangenen und aufgelösten Ehe wird für den Mann eine Reise zu sich selbst und in einen Teil seiner Vergangenheit, die ihm die eigene Unzulänglichkeit und Hoffnungslosigkeit offenbart, gleichzeitig aber auch Mut auf einen Neubeginn macht.  Weiterlesen
  • Fred Vargas und die Kreuzberger Nächte

    18. Oktober 2018 0
    Nahe Nîmes in Südfrankreich sterben drei Männer – sämtlichst um die 80 – am Biss der Einsiedlerspinne. Seltsam, findet Kommissar Adamsberg in Paris, denn der Biss dieser zurückgezogen lebenden Spinne ist selten und selten tödlich. Auch wenn er durchaus schwere Verletzungen und bleibende Schäden beim Weiterlesen
  • Ben Vart: Korsisches Erbe. Das Buch

    3. September 2020 0
    „Die Beziehung von Emma und Uwe ist auf dem Tiefpunkt. Um ihre Gefühle zueinander abseits des Alltags zu prüfen, beschließen sie, gemeinsam Urlaub auf Korsika zu verbringen. Aber das Abenteuer, das ihrer beider Leben verändert, beginnt schon auf der Fähre. Dort läuft ihnen der ehemalige Weiterlesen
  • Der Leser als Fliege an der Wand

    1. August 2020 0
    Wie schreiben erfolgreiche Autoren? Vor allem, warum sind sie erfolgreich? Was unterscheidet sie beziehungsweise ihre Art, Geschichten zu schreiben von weniger erfolgreiche – oder gar erfolglosen Autoren? Der norwegische Schriftsteller Jo Nesbø sagte im Interview mit der dpa: „Ich setze den Leser ins Zimmer, wie Weiterlesen
Ben Vart ist Mitglied im SYNDICAT, dem Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur. Im SYNDIKAT sind rund 750 Krimiautoren (männliche wie weibliche) aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv.


Ben Vart ist Mitglied im Verein der 42er Autoren

Registrierung

Bitte füllen Sie das Registrierungsformular aus.

  • Passwortstärke

Sarah-Jane Stratford: Radio Girls

26. Juli 2020 0

Ich lese gern im Bett, bin aber die letzten Monate wenig dazu gekommen. Weil es kein Buch gab, über dem ich nicht eingeschlafen bin. Geändert haben das erst die „Radio Girls“. Ein gänzlich unaufgeregt spannender Roman über die Anfänge der BBC, Frauenrechte und sich langsam auflösende Männerträume über ihre gesellschaftliche Vorherrschaft. Im Jahr 1922 wurde die BBC gegründet als British Broadcasting Company Ltd. von einem Konsortium aus sechs amerikanischen und britischen Elektrogeräteherstellern, die durch das Angebot von Radiosendungen den Absatz ihrer neuen Radiogeräte steigern wollten. Den Posten des Generaldirektors bekam John Reith. Seine Vision war ein Sender, der neben Bildung und Information auch Unterhaltung bieten sollte. 1926 stieß Hilda Matheson als Leiterin der Bildungsredaktion dazu und geriet schon bald, weil politisch linksliberal und ihrer vielen neuen unkonventionellen Ideen wegen, in Konflikt mit dem streng konservativen Reith. Matheson verließ die BBC 1931 und die „Radio Girls“ beleuchten romanhaft diese fünf Jahre durch den Blick von Maisie Musgrave. Ihre Figur ist fiktiv, Reith und Matheson dagegen haben Weiterlesen

Nick Hunt: Mit dem Wind – mitreisend und unterhaltsam

18. Juni 2020 0

Nick Hunt war sechs, als der Sturm auf Ynys Enlli seinen Mantel blähte und ihn ein Stück weit in die Luft hob. So beginnt Hunt sein Buch „Mit dem Wind“, und so begann für Hunt die Suche nach den Winden. Es war nicht die wissenschaftliche Suche eines Meteorologen. Oder die von jemanden, der sie für sich nutzbar machen wollte. Als Segelflieger etwa oder Windsurfer oder Drachenflieger. Vielmehr war es das Interesse des Forschers. Und wie Roald Amundsen und Robert Scott zu Fuß und nur mit Schlittenhunden den Wettkampf ausfochten, wer als erster den Südpol erreicht oder Henry Morton Stanley den afrikanischen Regenwald auf der Suche nach David Livingstone durchquerte, machte sich auch Nick Hunt zu Fuß mit Rucksack und Zelt auf den Weg, um in den Pennines im Norden Englands, den „Helm“ zu finden; den einzigen Wind, der in England einen Namen hat. In Mittel- und Südeuropa weht der kalte Mistral in Frankreich, der warme Föhn in den Alpen und die Bora auf dem Balkan, Weiterlesen

Curt Goetz: Die Tote von Beverly Hills

20. April 2020 0

Der Schriftsteller und Schauspieler Curt Goetz widmete das Geschichtchen seinerzeit seiner Frau Valerie, die behauptete, „ich könne keinen erotischen Roman schreiben.“ Und wie so oft haben Frauen recht. Ich schränke das mal ein: „Zumindest aus heutiger Sicht.“ Vor inzwischen 69 Jahren mag die Geschichte um die nymphomanische Lu, männermordender Typ Lolita, tatsächlich erotische Erektionen ausgelöst haben. Der Held des Romans, eben der Autor, hält sich im amerikanischen Exil auf und durchstreift mit seinem Hund Winnetou das Hinterland von Los Angeles. Die Geschichte ist angesiedelt während der Zweite Weltkrieg tobt und die Amerikaner Angst haben, die Japaner könnten einmarschieren. Also trägt der Romanheld seine Büchse  durch die Wildnis wie einst Old Shatterhand und findet dabei die ermordete Lu Sostlov. Ermordet, aber nicht geschändet. Sie, die aus Deutschland eingewandert ist, hinterlässt ein Tagebuch, in dem sie ihre nymphomanische Karriere beschreibt, ihre besondere Zuneigung zu älteren Herren, die ihr verfallen wie im Herbst die Blätter von den Bäumen. Und die Herren, die den Biss der Schwarzen Witwe, den Weiterlesen

Jane Birkin: Munkey Diaries Band 1 – Ihr Tagebuch von 1957 bis 1982

5. März 2020 0

„Das Wichtigste am Set sind die Techniker, ihr Schutz, ihre Freundschaft.“ Das lernt Jane Birkin bei den Dreharbeiten zu ihrem dritten Film „La Piscine“, den sie 1968/69 mit Alain Delon und Romy Schneider machte. Da war sie bereits mit der Liebe ihres Lebens zusammen. Serge Gainsbourg hatte sie bei den Dreharbeiten zu dem Film „Slogan“ kennengelernt, in dem sie die weibliche Hauptrolle spielte. 1969 erschien auch das Lied, das Birkin und Gainsbourg weltweit berühmt machen sollte: „Je t’aime moi non plus“, der gestöhnte Orgasmus aus Vinyl. Für die Eltern der damaligen Zeit ein Skandal, für die Jugend jener Dekade ein Befreiungslied. Überall in der westlichen Welt protestierten die Studenten, in Amerika verbrannten junge Menschen während ihrer Proteste gegen den Vietnamkrieg die US-Flagge und wurden dafür von der Nationalgarde erschossen; in London war das, was man die „Roaring sixties“ nannte, auf einem Höhepunkt. Und mitten drin eine Jane Birkin, grade mal Anfang 20, aber bereits geschieden und Mutter einer zweijährigen Tochter. Vater dieses Kindes war John Weiterlesen

„Verletzlich – ein bisschen wie das Leben selbst“

11. Februar 2020 0

„Das Bücherhaus“ ist keine Liebesgeschichte, aber eine Geschichte der Liebe. Der zu Büchern, der zur Philosophie und zu den Philosophen und, nicht zuletzt, auch eine zu den Menschen. Und wie die Liebe oft verschlungene Wege geht, führt auch John Kaag seine Leser mäandernd durch seine Geschichte. Seine Geschichte meint das, was es sagt: Es ist auch ein Stückweit die Biografie des inzwischen 41 Jahre alten Professors für Philosophie an der University of Massachusetts. Derzeit gilt er als einer der spannendsten jungen Philosophen der USA. 2016 erschien „American Philosophy: A Love Story“ (deutsch: Das Bücherhaus, erschienen 2019 im btb-Verlag, ISBN 9783 442 718 894, Preis 11,00 Euro), das durchaus als eine Hommage an die Entwicklung der Philosophie von frühan verstanden werden darf. Eine Statue des Laokoon bringt Kaag zu der Erkenntnis, dass Ehrlichkeit häufig mit Schmerz und Qual verbunden ist. Der Trojanische Seher, der seine Mitbürger vor dem Danaer-Geschenk des Trojanischen Pferdes warnte und damit den Zorn Apolls erregte, wurde für die Verkündung der Wahrheit bestraft. Apoll Weiterlesen

Kickstart ….

20. November 2019 0

…. das verspricht schon mal einen schnellen Erfolg. Aber wie sieht’s damit tatsächlich aus? „Schlank mit Keto“ verspricht Marina Lommel. Und das in 21 Tagen. Bevor allerdings die 21 Tage beginnen – in Form von Rezepten – muss man den Kickstarter mehrfach treten, in dem man sich einliest in das Thema: Erst kommt das Vorwort, in dem die studierte Ernährungswissenschaftlerin beschreibt, wie sie zur Keto-Diät kam und dabei ihre eigenen, teils verstörend klingenden, Erfahrungen mit extremen Abnehmen und andererseits wieder ebenso extremen Fressanfällen nicht auslässt. Grundprinzip der „Ketogenen Ernährung“ ist die fettreiche, aber kohlenhydratarme Ernährung. Das ließ zu Beginn ihrer Recherchen zu Keto auch Marina Lommel ungläubig den Kopf schütteln: „Auf den ersten Blick widersprach die Ketogene Ernährung all dem, was ich bisher für richtig gehalten hatte. Viel Fett? Es hieß doch immer „wenig Fett“ sei richtig. Hatte ich etwa umsonst leckere Butter, aromatisches Olivenöl und knusperige Nüsse aus meinem Leben verbannt?“ Scheint so, Marina. Sie beschreibt anschaulich und auch für den Laien einigermaßen schlüssig Weiterlesen

Mord auf Selchester Castle …

15. November 2019 0

… ist der zweite Band und quasi sowas wie die Fortsetzung der Reihe um Hugo Hawksworth. Der einstige Außenagent des Britischen Geheimdienstes wurde angeschossen, leidet an den Folgen dieses Beinschusses und lahmt. Weswegen er in den Innendienst versetzt wurde. Sein neuer Arbeitsplatz ist nun Selchester Castle, wo während des Krieges eine Zentrale des Geheimdienstes untergebracht war und jetzt dort ein Bereich angesiedelt ist, der als „Archiv“ bezeichnet wird. Wir schreiben das Jahr 1953, der Kalte Krieg zwischen den Machtblöcken beginnt, langsam warm zu werden. Der neue Schlossherr, ein vor langer Zeit in die USA ausgewanderter Selchester, übernimmt den historischen Bau. Er ist der Erbe und Sohn des im ersten Band „Der Tote in der Kapelle“ in der Kapelle unter Steinfliesen gefundenen Earl of Selchester, der in einer stürmischen Winternacht 1947 verschwand. Der Amerikaner und seine beiden Töchter bringen etwas Schwung in das öde britische Landleben, das ihnen dann auch eine Leiche ins Gewächshaus zaubert. Gemeinsam mit echten Gemälden auf dem Speicher, von denen keiner genau Weiterlesen

Nichts ist wie es scheint …

14. November 2019 0

… und so ist der deutsche Titel „Das Bekenntnis“ auch irreführend. Denn nirgendwo gibt es ein Bekenntnis in dem Buch von John Grisham, das hier als Hörbuch – wiederum gelesen von Charles Brauer – vorlag. Es ist aber die Geschichte einer Rechnung, die Farmer Pete Banning mit dem Methodistenpfarrer Dexter Bell zu begleichen hat. Hier passt der Originaltitel „The Reckoning“ (Die Rechnung, auch Die Abrechnung) also durchaus. Die Geschichte ist ebenso geheimnisvoll wie zeitweise absurd: Pete Banning, hochdekorierter US-Kriegsheld des Zweiten Weltkriegs im Pazifik, steht eines morgens auf, nimmt seinen Armeerevolver, fährt zur Kirche, erschießt kaltblütig den Pfarrer und geht anschließend ebenso schweigend zu seinem Motiv wie vermeintlich kaltblütig auf den elektrischen Stuhl. Am Ende verliert Pete Banning sein Leben, und seine Familie Haus, Hof, Grundstücke und Heimat. Die von Grisham erzählte Geschichte ist die Geschichte des Schweigens und Verschweigens. Das macht er ziemlich routiniert auf knapp 600 Buchseiten und laut Verlagsangaben zwölfeinhalb Hörstunden. Und das ist laut Randomhouse, in dem die deutsche Fassung erschien, Weiterlesen

Aus der Tastatur gefallen

15. März 2019 0

Man muss Terry Pratchett nicht kennen, um ihn zu mögen. Also seine Geschichten. Ihn persönlich zu mögen, ohne ihn persönlich gekannt zu haben, das wäre ja ebenso vermessen, wie ihn nicht zu mögen. Persönlich, meine ich. Zu kompliziert? Auch nicht komplizierter als manche seiner Geschichten. „Aus der Tastatur gefallen“ fasst mehrere Dutzend – ja, wie soll man sagen – erzählerische Gedankensplitter zusammen. Seien es Vorworte, seien es Kolumnen, seien es Vorträge oder seien es sowas wie Liebesbriefe. Nein! Nicht Liebesbriefe im herkömmlichen Verständnis und die kämen bei Pratchett auch nicht daher wie herkömmliche Liebesbriefe. Der Schöpfer der Scheibenwelten hat einen Stil, der … so anders ist. Ironisch mal, sarkastisch mal und auch mal einfach nur … ja … einfach mal humorvoll. Allein die Erzählung über seine Lesereise durch Australien. 14 Tage lang. Dabei beschreibt er 13 Tage recht genau, wo er war, wie er war, wieviel Leute sich die Bücher signieren ließen, wie lange es jeweils dauerte. Ja, aber wo bleibt der 2. Tag? Er springt Weiterlesen

Nicht überall, wo Grisham drauf steht …

3. März 2019 0

John Grisham gehört nach nunmehr 30 Jahren auf dem Bestsellermarkt und durchschnittlich jährlich einem neuen Roman nicht mehr zu den Vielschreibern. Eher sollte man ihn als Fließbandschreiber einordnen. Und wie ein Fließband vorwiegend qualitative Durchschnittsware liefert statt hochwertige Einzelfertigung, so produziert auch John Grisham inzwischen literarischen Durchschnitt. Okay, der liegt qualitativ meist immer noch über dem Niveau zahlreicher anderer Autoren, die den Markt und die Buchläden mit ihrem Schrott zuschütten. Hat gegenüber den Büchern, mit denen Grisham bekannt wurde (Die Jury, Die Firma, Die Akte, Der Klient, Der Regenmacher) und die erfolgreich verfilmt wurden, aber deutlich an erzählerischer Qualität verloren. In allen seinen bisher erschienenen rund 26 Justiz-Büchern nimmt sich Grisham einen besonderen Bereich des amerikanischen Systems zum Thema und beleuchtet ihn aus Sicht der Protagonisten kritisch aus vielerlei Blickwinkeln. In „Forderung“ ist es mal wieder das Rechtssystem der USA sowie die Auslagerung öffentlich-rechtlicher Aufgaben an private Unternehmen. Wobei letzteres ja auch durchaus schon in Deutschland gang und gebe ist. Man denke nur an die Weiterlesen

Der Tote in der Kapelle

10. Februar 2019 0

Der typisch britische Kriminalroman hat alles, was man von einem typisch britischen Kriminalroman erwartet: Ein altes Schloss, in dem es spuken soll, ein taffes Schlossfräulein, ein biestiges Schlossfräulein, eine charakteristische ländliche englische Umgebung mit viel wabernden Nebel, gefährlichen Moorlöchern und ein gut gehütetes Geheimnis – Zutaten also, um nach bewährtem, altem Rezept einen düsteren Kriminalroman zusammen zu rühren. Elizabeth Edmondson gelingt dies mit Routine und hin und wieder einem Augenzwinkern. „Der Tote in der Kapelle“ wird erst reichlich spät gefunden, nachdem die Protagonisten in ihrer Umgebung ausführlich vorgestellt wurden. Man erfährt, dass das Schloss während des Krieges dem Nachrichtendienst diente, das auch jetzt, acht Jahre nach Kriegsende, dort noch immer eine Außenstelle des Geheimdienstes sitzt und Hugo Hawksworth, einst erfolgreicher Außenagent, bei einem Einsatz angeschossen wurde. An den Folgen der Beinverletzung leidet er noch immer. Er lahmt. Daher wurde er in den Innendienst versetzt. Samt seiner – etwas zu altklug geratenen – erst 13 Jahre alten Schwester Georgia, um die er sich seit dem Tod Weiterlesen

Christine Mangan: Nacht über Tanger

30. Dezember 2018 0

Häufig verglichen Kritiker das Erstlingswerk von Christine Mangan mit einem Film von Alfred Hitchcock. Und hier liegt schon der erste Fehler. Denn Hitchcock ist ein Filmemacher und schrieb nie Romane. Er setzte sie nur immer optisch um. Insofern hinkt der Vergleich Mangan – Hitchcock nicht nur, er hat auch nur ein Bein. Auch das, was mit diesem Vergleich angedeutet werden soll, nämlich dass Mangan in „Nacht über Tanger“ Suspense erzeugt, Spannung aufbaut, Dramatik herstellt, vermag ich nicht zu teilen. Zu offensichtlich ist der Plotverlauf, zu schnell sind die Winkelzüge der Gegenspielerin vorhersehbar, zu einfach ist die Welt, die sich Christine Mangan zurecht gestrickt hat. Okay, ich habe das Hörbuch gehört und grundsätzliche Schwierigkeiten mit den beiden Leserinnen. Wie im Buch, das mal aus der Perspektive der Alice, mal aus der von Lucy geschrieben ist – dramaturgisch zwar nicht neu, aber geschickt, denn so erlaubt der Wechsel der Perspektive dem Leser das zu erfahren, was der jeweilige Ich-Erzähler sieht, empfindet, erlebt – wird auch das Hörbuch Weiterlesen

X
X