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Christine Mangan: Nacht über Tanger

30. Dezember 2018 0

Häufig verglichen Kritiker das Erstlingswerk von Christine Mangan mit einem Film von Alfred Hitchcock. Und hier liegt schon der erste Fehler. Denn Hitchcock ist ein Filmemacher und schrieb nie Romane. Er setzte sie nur immer optisch um. Insofern hinkt der Vergleich Mangan – Hitchcock nicht nur, er hat auch nur ein Bein. Auch das, was mit diesem Vergleich angedeutet werden soll, nämlich dass Mangan in „Nacht über Tanger“ Suspense erzeugt, Spannung aufbaut, Dramatik herstellt, vermag ich nicht zu teilen. Zu offensichtlich ist der Plotverlauf, zu schnell sind die Winkelzüge der Gegenspielerin vorhersehbar, zu einfach ist die Welt, die sich Christine Mangan zurecht gestrickt hat. Okay, ich habe das Hörbuch gehört und grundsätzliche Schwierigkeiten mit den beiden Leserinnen. Wie im Buch, das mal aus der Perspektive der Alice, mal aus der von Lucy geschrieben ist – dramaturgisch zwar nicht neu, aber geschickt, denn so erlaubt der Wechsel der Perspektive dem Leser das zu erfahren, was der jeweilige Ich-Erzähler sieht, empfindet, erlebt – wird auch das Hörbuch Weiterlesen

Relotius ist überall. Teil III

23. Dezember 2018 0

Relotius ist überall. Teil IRelotius ist überall. Teil II Relotius, der es offenbar verstand, mit seiner Schreibe, seinem Stil, seiner Erzählweise zu glänzen und zu beeindrucken, stieß damit auf offene Türen bei den Ressortleitern und auf taube Ohren für Kritiker. Dabei war der Spiegel schon immer auf seinen besonderen Schreibstil stolz. Ich erinnere mich an eine Vorlesung, die der damalige Hochschullehrer Alexander von Hoffmann (1924-2006) an der FU Berlin, Institut für Publizistik, hielt. Der einstige Spiegel-Journalist erklärte uns Studenten, von denen viele zur Journalisten-Generation der folgenden 40 Jahre gehören sollten, dass der Spiegel eine eigene Abteilung habe, in der die Artikel der Redakteure und freien Mitarbeiter, die den Spiegel-Schreibstil nicht beherrschten, auf den dem Magazin eigenen Stil getrimmt werden. Ein Stil, den ich in ähnlicher Form, immer wieder fand. Sei es im Stern oder im Playboy, der nicht nur propere nackte Mädels druckte, sondern auch sehr gute Reportagen veröffentlichte. Vielleicht tut es das Magazin ja noch immer. Über den Schreibstil die Leserschaft zu binden, ihm Weiterlesen

Relotius ist überall. Teil II

22. Dezember 2018 0

Relotius ist überall. Teil IRelotius ist überall. Teil III Dass nun auch im Lokaljournalismus hin und wieder ein Zitat erfunden wird, ist gang und gebe. Wer kann es schon nachprüfen, wenn man jemanden namenlos zitiert. Es gibt viele Menschen, die einem Journalisten durchaus etwas sagen und gleichzeitig betonen: „Meinen Namen schreiben Sie aber bitte nicht!“ Das kennt auch der Lokalchef und hat in den meisten Fällen Verständnis. Ganze Passagen zu fälschen, fällt eher schwer bei der relativen Kompaktheit eines Zeitungsartikels. In der Regel verfügen Tageszeitungsredaktionen auch nicht über die Kapazitäten, alle Fakten nach zu recherchieren. Die Kontrolle besteht normalerweise darin, dass ein Kollege den Artikel durchliest, ihn auf korrekte Orthografie und Grammatik überprüft. Also redigiert. Lediglich, wenn er etwas nicht versteht oder es aufgrund seines Wissens und seiner Erfahrung als falsch oder ihm zumindest nachfragenswert erscheint, tut er dies auch. Nachfragen nämlich. Eine zweite, oder wenn man so will nach dem Autor dann dritte, Instanz, das Korrektorat, wurde erst vor wenigen Jahren wieder eingeführt, nachdem Weiterlesen

Relotius ist überall. Teil I

22. Dezember 2018 0

Ich bin Journalist. Seit mehr als 40 Jahren schreibe ich für Zeitungen. Ich bin nur ein Tageszeitungsjournalist und einer meiner Chefs warf mir mal vor, ich sei kein überragender Stilist. Ich bin folglich kein Claas Relotius. Auch deshalb nicht, weil ich nie Preise gewann. Das stimmt so nicht ganz. Für eine Serie über die Berliner Bezirke erhielt der Tagesspiegel, bei dem ich seinerzeit arbeitete, in den 90er Jahren – das genaue Jahr ist mir entfallen – den Konrad-Adenauer-Preis für Lokaljournalismus. Als Mitverfasser dieser Serie gehöre ich wohl irgendwie zum Kreis der Preisträger. Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen drängte ich mich nie nach Preisen und Auszeichnungen. Ganz ehrlich, für mich war es Auszeichnung genug, wenn nach zeitaufwändiger, mühsamer Recherche wieder eine exklusive Geschichte über kritikwürdige Interna der Berliner Polizei von mir im Blatt erscheinen konnte. Das war damals, als der im Kollegenkreis gebräuchliche Begriff der „Geschichte“ als Synonym für einen Artikel noch nicht mit dem Relotius-Virus des Märchens infiziert war. Aber schon damals war zumindest Weiterlesen

Korsika das Abenteuerland

7. Dezember 2018 0

Es ist erschienen. Die regelmäßigen Leser meines Blogs wissen es. Seither bin ich getingelt und habe vor allem die Redaktionen aufgesucht, für die ich arbeite, um die Redakteure zu bitten, sich mit dem Buch zu befassen. Als erstes berichtete die „Welzheimer Zeitung“, ein im Rems-Murr-Kreis vom Zeitungsverlag Waiblingen (ZVW) für den Bereich Welzheimer und Schwäbisch-Fränkischer Wald herausgegebenes Lokalblatt. Fast eine ganze Seite war es meinem Kollegen wert.Okay, das Buch ist gut, die Geschichte spannend, das Abenteuer perfekt, der Lesespaß garantiert. Was soll man mehr dazu sagen als „Leute, kauft das Buch und gönnt euch ein paar Stunden Spaß.“ Und wer’s nicht glaubt, der darf sich nebenan eine Leseprobe herunterladen. Die kostet nichts. Außer ein paar Minuten Zeit, um sie zu lesen und danach zu urteilen. Das Buch gibt es im Buchhandel, bei Amazon – wobei die mir nicht sooo lieb sind, denn sie zahlen die geringsten Tantiemen – Thalia und jeder Buchhändler kann es bestellen, denn es ist im VLB, dem Verzeichnis lieferbarer Bücher gelistet. Weiterlesen

Wer ist Ben Vart?

30. November 2018 0

Ben Vart ist ein Pseudonym und gleichzeitig eine beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) geschützte Marke. Hinter diesem Namen steckt Werner Schmidt, Journalist, Autor und Schriftsteller. Schmidt lebt in Süddeutschland, nachdem er zuvor 40 Jahre lang in Berlin zu Hause war. In Süddeutschland ist er als freier Journalist für diverse Lokalblätter tätig. Er studierte an der Freien Universität Berlin Publizistik, Germanistik, Politologie und ein paar Semester Portugiesisch und wechselte unmittelbar in die Praxis. Seine journalistische Tätigkeit begann er mit vorwiegend lokalpolitischer Berichterstattung in den Berliner Bezirken, die von ihrer Größe – bezogen sowohl auf die geographische Ausdehnung wie auch auf die Zahl der Einwohner – einer mittelgroߟen westdeutschen Groߟstadt entsprechen. Er war ebenso eingebunden in die Feierlichkeiten zum 750-jährigen Geburtstag des ältesten Berliner Bezirks Spandau im Jahr 1982 wie auch fünf Jahre später in die Feiern zur Erstnennung Berlins im Jahr 1237. Seit Beginn seiner journalistischen Laufbahn setzte seine Redaktion Schmidt als Polizeireporter ein. Von da an lagen seine Hauptaufgaben in der publizistischen Begleitung des Weiterlesen

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