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Wie Schnaps in der Lunge

30. August 2018 0

Der Einstieg ist langatmig und verlangt einen langen Atem, der Schluss zu offensichtlich und früh durchschaubar und dazwischen weigert sich Autor Jean-François Parot penetrant, ein Geheimnis zu offenbaren. Das der Weißmäntel nämlich. Parots erster Geschichtskrimi trägt zwar den Titel „Das Geheimnis der Weißmäntel“ – nur kommt im gesamten Buch kein einziger Weißmantel vor. Lediglich, dass der Held namens LeFloch kurzzeitig in der Rue des Blancs-Manteaux wohnt, verbindet Inhalt mit Titel. In der französischen Sprache bedeutet floc – ohne H am Ende – soviel plumpsen. Faire floc also plumps machen. Wenn man voraussetzt, dass Parot dieses Wortspiel beabsichtigte, dann passt das schon, denn er lässt seinen Helden, das Findelkind Nicolas LeFloch, aus der Bretagne direkt hineinplumpsen ins Paris von 1760 und die Regentschaft Ludwigs XV. Der Notariatsgehilfe erhält nach einiger Zeit Dank seiner Fürsprecher einen Job – man würde es heute wohl als Hilfsermittler bezeichnen – bei dem, was Mitte des 18. Jahrhunderts als Polizei in Paris bezeichnet werden kann. Sein Vorgesetzter Antoine Raymond Juan Gualbert Weiterlesen

Wenn Journalisten peinlich werden

22. August 2018 0

Wenn Journalisten Probleme mit der deutschen Sprache haben, ist das peinlich. Wenn sie dazu noch Krimis schreiben, kommt man als Kritiker schon mal auf den Gedanken, den Verursacher des Übels den Hahn abdrehen zu wollen. Den Schreibhahn nämlich. Kommt dann noch mangelhafte Recherche dazu, ist es nicht nur ärgerlich, sondern bringt einen Berufsstand in Verruf. Catherine Simon schafft beides in einem mit 251 Seiten recht dünnen und schnell geschriebenen Büchlein. „Falsche Austern – Der vierte Fall für Kommissar Leblanc“ ist mit Verlaub – runtergerotzt. Schlechter Stil, hölzerne Dialoge, oberflächliche Charaktere und dazu der Versuch, Terrorismus, Islam und Islamismus, Frankreichs koloniale Vergangenheit in Nordafrika, Integration von Flüchtlingen, Ehrenmord, Kunstfälschung, Bilderdiebstahl, Mord und Totschlag unter einen Chapeau zu zwingen. Das wirkt bemüht, zeitweise grotesk und häufig wie von Wikipedia abgeschrieben. Vollkommen abgerückt von den Ereignissen dieser Welt scheint die Autorin, wenn sie darüber sinniert, ob eine muslimische Familie den Mord an ihrer Tochter beginge, weil diese mit ihrer westlichen Lebensweise angeblich die Ehre der Familie, von Brüdern Weiterlesen