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Aug‘ in Aug‘ mit wilden Tieren

Hätte ich David Yarrows Buch „Wie ich Fotos mache“ vor 50 Jahren in die Finger bekommen, hätte ich manches versäumt. Meine fotografische „Experimentierphase“ zum Beispiel. Mein „versuchen und irren“. Also alles das, was man als fotografischer Anfänger an Fehlern begeht, um damit seinen Erfahrungsschatz aufzutürmen. 

Und Anfänger sollten jetzt, da dieses Buch auf dem Markt ist, die Hinweise und Tipps des 1960 in Glasgow geborenen David Yarrow aufnehmen und lernen, begreifen, ernst nehmen. Zwar bezeichnet der Tier- und Werbefotograf Yarrow sein Buch selbst als „Masterclass in Fotografie“, geeignet ist es aber genauso für Anfänger. Zumindest, wenn es um die grundlegende Einstellung zu den eigenen Bildern geht.

Die sozialen Medien bieten reichlich, eigentlich überreichlich, Platz, um seine Fotos zu präsentieren. Und die Mehrzahl der Knipser, die bei Facebook und Co. ihre Bildchen vorstellen, wollen Lob. An kritischer Auseinandersetzung sind sie kaum interessiert. Sie wollen alle mit Samthandschuhen angefasst werden. Wer tatsächlich irgendwann in seinem Leben gute, vorzeigbare Fotos machen möchte, die zu drucken, auszustellen (und sei es nur an der heimischen Wohnzimmerwand) sich lohnt, die eventuell sogar verkauft werden können, muss durch die harte Schule von Kritik anderer und vor allem Selbstkritik. Yarrow begann als Sportfotograf, eine der härtesten Disziplinen der Reportagefotografie:

„Wenn die Fotografen von Allsport (die Agentur, für die Yarrow als junger Fotograf arbeitete) meine Dias auf dem Leuchtkasten durchsahen, war das brutal.“ Sie gingen gnadenlos mit seinen Fotos um, achteten auf die Schärfe, den Bildaufbau. Sag heute einem stolzen Knipser bei Facebook, sein Foto sei unscharf, der Bildaufbau vollkommen daneben, erhältst du garantiert von ihm selbst oder einem seiner Fans zur Antwort, dass der Bildaufbau vollkommen überbewertet sei und Schärfe ein Relikt vergangener Zeiten.

Nein, sagt Yarrow. „Die Schärfe ist ein so unglaublich wichtiger Teil meiner Arbeit, dass ich ein Bild, dass nicht gestochen scharf ist oder bei dem die Schärfe nur wenig daneben liegt, einfach verwerfe. Für mich gibt es keinen anderen Teil der Fotografie, der wichtiger ist als die Fähigkeit, perfekt zu fokussieren.“ Wobei Unschärfe gezielt zur Bildgestaltung eingesetzt werden kann. Allerdings, so Yarrow, muss der Fotograf wissen, was er tut. Und es muss für den Betrachter ersichtlich sein, dass die Unschärfe bewusst und absichtlich dort liegt, wo sie liegt.

Das ist aber nur ein Punkt, der Fotografen von Knipsern unterscheidet. Ein weiterer ist, dass der Fotograf sein Handwerkszeug beherrscht und sich bewusst ist, dass sein Fotoapparat nur ein Handwerkszeug ist, das für ihn das in seinem Kopf entstandene Bild umzusetzt.

Ein dritter Punkt ist die Fähigkeit zur Kritik der eigenen Arbeit. Trennen Sie sich von schlechten Fotos, weinen Sie ihnen keine Träne nach, sondern sehen Sie sie als Erfahrung auf dem Weg zu den wirklich guten Fotos. Yarrow zitiert Thomas Alpha Edison, der von seinen Misserfolgen bei der Entwicklung der Glühbirne sagte: „Ich habe nicht versagt. Ich habe lediglich 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert.“

Mit dieser Philosophie ist auch Geduld verbunden. DAS Foto macht man nicht beim ersten Versuch. Aber vielleicht beim zweiten oder dritten oder vierten. Je besser man sich vorbereitet, die Gegend sondiert, in der man fotografieren möchte, sich mit den Menschen befasst, die Reaktionen der Tiere studiert, desto einfacher hat man es, mit den meist ungewohnten Gegebenheiten zurecht zu kommen.

David Yarrow Buch „Wie ich Fotos mache“ erschien 2021 in der Reihe „Masters of Photography“ im Schweizer Midas Verlag. 

David Yarrow: Wie ich Fotos mache
ISBN 978-3-03876-214-0
Midas-Collection, Fotografie

Preis: 22,80 Euro

Link zum Verlag: https://midas.ch/produkt/david-yarrow-wie-ich-fotos-mache/

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