News Ticker

Schreibblockade IV: Was tun, wenn’s klemmt?

6. März 2021 0

Jetzt, im vierten Teil zur Schreibblockade, gehen wir ans Eingemachte. Sie wissen, dass ich die zeitlich begrenzte Unfähigkeit, kein Wort zu Papier bringen zu können, nicht als Schreibblockade durchgehen lasse. Ich weiß, dass Ihnen das gleichgültig ist und Sie an Ihrer ureigenen Definition von Schreibblockade festhalten. Von mir aus. Was aber können Sie tun gegen das augenblickliche Unvermögen, Ihr Buch voranzutreiben, einen Artikel zu schreiben, einen Satz zu formulieren, den Blog fertig zu stellen? Genau darum soll es nun gehen. Die Angst vor dem weißen Blatt Papier ist ungefähr so alt wie es weiße Papierblätter gibt. Und natürlich ist es nicht die Angst vor der Farbe. Auch nicht die Furcht vor dem Papier. Sondern die Befürchtung des Autors, er könne das Blatt nicht mit einem vernünftigen, lesbaren und verständlichen Inhalt in eine Grauzone verwandeln. Und jetzt mal ehrlich. Wer Angst hat oder Hemmungen oder sonst ein negatives Gefühl, wenn ein unbeschriebenes Blatt Papier ihn von der Schreibmaschine aus anstarrt, der soll sich bitte ein anderes Weiterlesen

Albtraum Livestream

14. Februar 2021 0

Gschwend. Es hat sowas albtraumhaftes an sich: Der Song verklingt, die Musiker lösen die Hände von den Instrumenten – und kein Applaus erklingt. In Zeiten von Corona und Livestreams leider eine Realität und auch für den Kritiker und Berichterstatter eines Konzerts, der dieses am Computer erlebt, ein Novum. Aber ausgestattet mit einem durchaus hochwertigen Kopfhörer wurde der Auftritt des Jakob Bänsch Sextetts am Samstag im Gschwender Bilderhaus schnell zu einer musikalisch neuen und vor allem positiven Erfahrung. Frontmann und Trompeter Jakob Bänsch ist mit 17 Jahren der jüngste im Sextett. Ihn begleiten Jakob Manz (19) am Altsaxophon, Lukas Wögler (20) Tenorsaxophon, Moritz Langmaier (20) am Klavier, Malte Wiest (20) am Schlagzeug und als einzige Frau Loreen Sima (19) am Kontrabass. Das Alter der Musiker zeigt auch, dass offenbar um die Jahrtausendwende eine Generation in Deutschland geboren wurde, die sich wieder verstärkt dem Jazz zuwendet und sich dabei an eine Generation von Musikern erinnert, die vor allem in den 50er bis 70er Jahren das musikalische Genre Weiterlesen

Elsa Dix: Die Tote in der Sommerfrische

3. Dezember 2020 0

Historienkrimis sind ein zunehmend beliebtes Genre. Spätestens seit Volker Kutscher seine Gereon Rath Reihe im Berlin der verklingenden Weimarer Republik ansiedelte und damit ungeahnte Erfolge feiern durfte, finden sich Nachahmer. Elsa Dix zum Beispiel, die ihren Erstling 1912 spielen lässt und somit zeitlich ansiedelt unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Spielstätte ist die ostfriesische Insel Norderney, von der die in Düsseldorf lebende Autorin sagt, es sei die Insel, auf der sie am liebsten ihre Urlaube verbringe. Die alte Architektur habe in ihr die Idee zu dem Krimi reifen lassen. So weit so gut. Ich glaube ihr ja, wenn sie in eineinhalb Seiten (!) Danksagung schreibt, der Stadtarchivar der Insel habe sie ausführlich über das Norderney des Jahres 1912 informiert. Mag ja sein. Aber leider hat Frau Dix es nicht verstanden, das in Atmosphäre umzusetzen. An keiner Stelle im Buch hatte ich das Gefühl, mich im Jahr 1912 zu bewegen. Im Gegenteil. Es war vielmehr so, als führten mich zweitklassige Schauspieler, die in die Mode der Belle Epoque gesteckt worden sind und Weiterlesen

Jede Kuh ist intelligenter als dieses Buch

21. November 2020 0

Es ist eines jener Bücher, für die mir die Bäume leid tun, die des Papiers wegen, auf das es gedruckt wurde, gefällt werden mussten. Wenn es neben Tschernobyl und Fukushima etwas gab, was man der Welt hätte ersparen müssen, dann dieses Buch: Steffen Jacobsen – „Sühne“. Ist es schon vom Plot her gequirlte Kacke, wird es durch die eindimensionalen schwarz-weiß Figuren, die durch einen bräsigen Sprachbrei gezogen werden, nicht besser. Viele Stellen lesen sich, als seien sie per copy & paste aus einer Datenbank für Serienromane wahllos und ohne Zusammenhang aneinander gepinnt. Es ist ein Buch, das mich maßlos geärgert hat. Dabei ist die Grundidee noch nicht mal schlecht. Ein Pharmakonzern entwickelt ein Medikament gegen eine Tropenkrankheit und stellt während der Erprobung in Äthiopien fest, dass es eine unerwartete Nebenwirkung hat: Es heilt in Windeseile auch Diabetes. Dann aber die Entwicklung des Plots. Mir kam es vor, als habe ein 14-Jähriger seine traumatischen Pubertätserlebnisse verarbeiten wollen. Der Konzern, der auch fettes Geld mit Insulin verdient, Weiterlesen

Hinterm Horizont geht’s doch nicht weiter

10. November 2020 0

Was ist die „Wahrheit über Metting“? Ein Heimatroman wie ihn Autor Tom Liehr auf seiner Website (www.tomliehr.de) bezeichnet? Ein Gesellschaftsroman? Eher nein. Am ehesten trifft es noch Entwicklungsroman. Tomás Lebesanft, dessen Vornamen Tomaasch ausgesprochen wird, was aber keiner tut in dieser niedersächsischen Kleinstadt Metting, wird hineingeboren in die 60er Jahre, die kaum zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg einerseits geprägt sind von Wirtschaftswunder, Wiederaufbau und sich Zurechtfinden, andererseits aber auch von Beklemmung, Engstirnigkeit, Vorurteilen und Rassismus. Eine Welt, in der Lehrer mit Schulmeister-Allüren die Kinder zu mündigen Demokraten heranziehen sollen und kläglich scheitern, weil sie selbst nie lernten, vorurteilsfrei zu denken; weil sie, aufgewachsen in einer brutalen Diktatur, nie vertraut gemacht wurden, eigenständig zu handeln, sich zu hinterfragen. Im Gegenteil. Sie wurden erzogen, wie die meisten Erwachsenen dieser Generation, zu gehorchen und eine vermeintliche Autorität, zu der für Kinder jeder Erwachsene zählte, nicht in Frage zu stellen. Toms Eltern betreiben in Metting ein Altenheim. Das „Horizont“. Und in das zieht eines Tages Marieluise ein. Die Weiterlesen

Beliebt bei Beerdigungen: Always Look at the Bright Side of Life

8. November 2020 0

„Das Book of Songs, die Playlist für jede Lebenslage“ umfasst Kurzporträts von angeblich fast 500 Songs. Gezählt habe ich sie natürlich nicht. Aber es ist eine Liste von Songs aus den vergangenen 60 Jahren, die in Kapitel mit – nunja … unorthodoxen – Überschriften unterteilt ist. Wie zum Beispiel „Songs mit großartigem Intro“. Oder „Songs über Geschwister“. Oder „Songs, die eigentlich Kurzgeschichten sind“. Oder „Songs, die in Filmen vorkommen“. Dagegen fehlen Kapitel mit „Songs, die Filme bekannt machten“ oder „Songs, die unser Leben beeinflussten“. Die Porträts der Songs sind leider so kurz gefasst, dass sie nur einen – ja, notdürftigen Blick auf die Entstehungsgeschichte zulassen. Und nicht alles ist 100-prozentig korrekt wiedergegeben. Mir fiel auf, dass im Kapitel „Songs über Prostitution“ auch „Just a Gigolo“ aufgeführt ist und dessen Ursprung korrekterweise mit Österreich angegeben ist. Allerdings führt Autor Colm Boyd den Text auf ein Gedicht zurück, was eben nicht stimmt, denn es war ein zu seiner Zeit (1924) schon bekannter Librettist und Schlagertexter (Julius Brammer), Weiterlesen

1 2 3 4 16