News Ticker

Die toten Straßen von Lissabon

3. August 2020 0

Was erhoffen sich Autoren davon, einen – sagen wir mal, in Portugal angesiedelten – Roman unter einem portugiesisch klingenden Pseudonym zu schreiben? Was erwarten Verlage, wenn sie einen Autoren, der einen Roman schreibt, der – sagen wir mal, in Portugal angesiedelt ist – ein portugiesisch klingendes Pseudonym aufzuzwingen? Vor allem dann, wenn man als Leser nach spätestens dem zweiten Kapitel merkt, dass der Autor von Land, Leuten und Kultur so viel Ahnung zu haben scheint wie ein Tourist, der alle fünf Jahre dort zwei Wochen Urlaub verbringt. Davon mal abgesehen, liest sich „Portugiesische Wahrheit“ wie der Versuch eines Beamten, einen auf großen Schriftsteller zu machen. Luis Sellano, hinter dem sich der Schwäbische Grafiker und Illustrator Oliver Kern verbirgt, kann besser zeichnen als schreiben. Die „Portugiesische Wahrheit“ ist ein Buch in Behördendeutsch, mit häufig verwendeten falschen Konjunktiven (insgesamt hat der Autor handwerkliche Probleme mit der deutschen Sprache) und zusätzlich noch einen gedankenwirren Helden, der larmoyant und selbstmitleidig daherkommt und ständig mehr oder weniger notgeil wirkend hinter Weiterlesen

Der Leser als Fliege an der Wand

1. August 2020 0

Wie schreiben erfolgreiche Autoren? Vor allem, warum sind sie erfolgreich? Was unterscheidet sie beziehungsweise ihre Art, Geschichten zu schreiben von weniger erfolgreiche – oder gar erfolglosen Autoren? Der norwegische Schriftsteller Jo Nesbø sagte im Interview mit der dpa: „Ich setze den Leser ins Zimmer, wie eine Fliege an der Wand. Aber eben an der Wand und nicht im Gehirn von jemandem.“ Das ganze Interview können Sie hier lesen: https://www.kurier.de/inhalt.jo-nesb-im-interview-krimiautor-und-musiker-in-einem.a7120bf6-78f9-41b5-a2aa-bb251d16636a.html

Sarah-Jane Stratford: Radio Girls

26. Juli 2020 0

Ich lese gern im Bett, bin aber die letzten Monate wenig dazu gekommen. Weil es kein Buch gab, über dem ich nicht eingeschlafen bin. Geändert haben das erst die „Radio Girls“. Ein gänzlich unaufgeregt spannender Roman über die Anfänge der BBC, Frauenrechte und sich langsam auflösende Männerträume über ihre gesellschaftliche Vorherrschaft. Im Jahr 1922 wurde die BBC gegründet als British Broadcasting Company Ltd. von einem Konsortium aus sechs amerikanischen und britischen Elektrogeräteherstellern, die durch das Angebot von Radiosendungen den Absatz ihrer neuen Radiogeräte steigern wollten. Den Posten des Generaldirektors bekam John Reith. Seine Vision war ein Sender, der neben Bildung und Information auch Unterhaltung bieten sollte. 1926 stieß Hilda Matheson als Leiterin der Bildungsredaktion dazu und geriet schon bald, weil politisch linksliberal und ihrer vielen neuen unkonventionellen Ideen wegen, in Konflikt mit dem streng konservativen Reith. Matheson verließ die BBC 1931 und die „Radio Girls“ beleuchten romanhaft diese fünf Jahre durch den Blick von Maisie Musgrave. Ihre Figur ist fiktiv, Reith und Matheson dagegen haben Weiterlesen

Nick Hunt: Mit dem Wind – mitreisend und unterhaltsam

18. Juni 2020 0

Nick Hunt war sechs, als der Sturm auf Ynys Enlli seinen Mantel blähte und ihn ein Stück weit in die Luft hob. So beginnt Hunt sein Buch „Mit dem Wind“, und so begann für Hunt die Suche nach den Winden. Es war nicht die wissenschaftliche Suche eines Meteorologen. Oder die von jemanden, der sie für sich nutzbar machen wollte. Als Segelflieger etwa oder Windsurfer oder Drachenflieger. Vielmehr war es das Interesse des Forschers. Und wie Roald Amundsen und Robert Scott zu Fuß und nur mit Schlittenhunden den Wettkampf ausfochten, wer als erster den Südpol erreicht oder Henry Morton Stanley den afrikanischen Regenwald auf der Suche nach David Livingstone durchquerte, machte sich auch Nick Hunt zu Fuß mit Rucksack und Zelt auf den Weg, um in den Pennines im Norden Englands, den „Helm“ zu finden; den einzigen Wind, der in England einen Namen hat. In Mittel- und Südeuropa weht der kalte Mistral in Frankreich, der warme Föhn in den Alpen und die Bora auf dem Balkan, Weiterlesen

Wo Sprach-Stempel herrschen regnet es Bindfäden auf engelsreine Gesichtszüge

16. Juni 2020 0

Es ist eine neuartige Erscheinung, dass viele glauben, nur weil sie Buchstaben zu Worten aneinanderreihen können und Worte zu Sätzen, seien sie bereits Schriftsteller und Autoren. Viele dieser Nachwuchs-Hemingways erklären voller Stolz, sie schrieben schon seit der ersten Grundschulklasse, aber fragt man sie … sagen wir nach dem „Plusquamperfekt“, muss man froh sein, wenn einer weiß, dass dies kein unsittliches Angebot ist. Es fehlt 99 Prozent derjenigen, die künftig den deutschen Büchermarkt aufmischen wollen, am Handwerkszeug. Und von diesen 99 Prozent wiederum sehen so geschätzte 98,9 Prozent auch nicht die Notwendigkeit, sich mit deutscher Grammatik, Orthographie, Kommasetzung auseinander zu setzen: „Wozu gibt es denn sonst Lektoren?“ fragte mich einer dieser Neunmalklugen, als ich eines seiner schriftlichen  Machwerke verbal zerfledderte. An diesem Menschen geht bestimmt kein Schriftsteller verloren, denn ein Manuskript, das den Korrektor übersprang, um direkt auf dem Schreibtisch des Lektors zu gelangen, gibt es nicht. Daher mein erster Tipp von Büchern, die unbedingt auf dem Schreibtisch – oder in der Erreichbarkeit eines Handgriffs – Weiterlesen

Kein Standardmaß

4. Juni 2020 0

Bücher sind hin und wieder hohe Literatur. Und das sollte Sie in diesem Fall wörtlich nehmen. Eine kurze Geschichte über die Doppeldeutigkeit von Begriffen der deutschen Sprache und wie sie missgedeutet werden können.          

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