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Hinterm Horizont geht’s doch nicht weiter

10. November 2020 0

Was ist die „Wahrheit über Metting“? Ein Heimatroman wie ihn Autor Tom Liehr auf seiner Website (www.tomliehr.de) bezeichnet? Ein Gesellschaftsroman? Eher nein. Am ehesten trifft es noch Entwicklungsroman. Tomás Lebesanft, dessen Vornamen Tomaasch ausgesprochen wird, was aber keiner tut in dieser niedersächsischen Kleinstadt Metting, wird hineingeboren in die 60er Jahre, die kaum zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg einerseits geprägt sind von Wirtschaftswunder, Wiederaufbau und sich Zurechtfinden, andererseits aber auch von Beklemmung, Engstirnigkeit, Vorurteilen und Rassismus. Eine Welt, in der Lehrer mit Schulmeister-Allüren die Kinder zu mündigen Demokraten heranziehen sollen und kläglich scheitern, weil sie selbst nie lernten, vorurteilsfrei zu denken; weil sie, aufgewachsen in einer brutalen Diktatur, nie vertraut gemacht wurden, eigenständig zu handeln, sich zu hinterfragen. Im Gegenteil. Sie wurden erzogen, wie die meisten Erwachsenen dieser Generation, zu gehorchen und eine vermeintliche Autorität, zu der für Kinder jeder Erwachsene zählte, nicht in Frage zu stellen. Toms Eltern betreiben in Metting ein Altenheim. Das „Horizont“. Und in das zieht eines Tages Marieluise ein. Die Weiterlesen

Beliebt bei Beerdigungen: Always Look at the Bright Side of Life

8. November 2020 0

„Das Book of Songs, die Playlist für jede Lebenslage“ umfasst Kurzporträts von angeblich fast 500 Songs. Gezählt habe ich sie natürlich nicht. Aber es ist eine Liste von Songs aus den vergangenen 60 Jahren, die in Kapitel mit – nunja … unorthodoxen – Überschriften unterteilt ist. Wie zum Beispiel „Songs mit großartigem Intro“. Oder „Songs über Geschwister“. Oder „Songs, die eigentlich Kurzgeschichten sind“. Oder „Songs, die in Filmen vorkommen“. Dagegen fehlen Kapitel mit „Songs, die Filme bekannt machten“ oder „Songs, die unser Leben beeinflussten“. Die Porträts der Songs sind leider so kurz gefasst, dass sie nur einen – ja, notdürftigen Blick auf die Entstehungsgeschichte zulassen. Und nicht alles ist 100-prozentig korrekt wiedergegeben. Mir fiel auf, dass im Kapitel „Songs über Prostitution“ auch „Just a Gigolo“ aufgeführt ist und dessen Ursprung korrekterweise mit Österreich angegeben ist. Allerdings führt Autor Colm Boyd den Text auf ein Gedicht zurück, was eben nicht stimmt, denn es war ein zu seiner Zeit (1924) schon bekannter Librettist und Schlagertexter (Julius Brammer), Weiterlesen

Ben Oliver: The Loop

7. November 2020 0

„The Loop“ ist ein dystopischer Thriller. Und wie die meisten dystopischen Thriller erzählt er dem Leser die düstere Vision einer „Was wäre wenn …“ Geschichte. Vorausgeschickt: Das Erstlingswerk des Briten Ben Oliver ist spannend, auf neudeutsch sagt man auch ein „Pageturner“, ein Buch also, das den Leser fesselt und ihn daher animiert, eine Seite nach der anderen umzublättern, um weiter zu lesen. Das macht er gut und unterhaltsam. „The Loop“ – die Schleife – ist ein ein kreisförmig gebautes Jugendgefängnis, in dem die zum Tod verurteilten unter 18 Jahre alten Insassen 24 Stunden am Tag in Einzelhaft sitzen. Lediglich eine Stunde am Tag erhalten sie eine Art Hofgang. Die Zelle öffnet sich und bietet ihnen Zugang zu einem beidseitig mit hohen Mauern abgegrenzten Hof. Mit ihren Nachbarn können sie sich zwar unterhalten, sie können sie aber nicht sehen. Dass die Mauern nicht überstiegen werden, darauf achten die von „Happy“ gesteuerten Drohnenwächter. Happy ist die allmächtige Instanz. Sie überwacht die Gefangenen, über die jeweils in den Zellen installierte Monitore wird das Leben der Inhaftierten Weiterlesen

Italo-Jazz: Musik wie Minestrone

4. November 2020 0

Gschwend. Es waren Ouverture und Schlussakkord zugleich. Mit Italo-Jazz von Enrico Rava und dem Quartett Francesco Bearzatti & Friends wurde am Samstagabend der 34. Gschwender Musikwinter eröffnet und auch gleich wieder geschlossen. Zumindest vorläufig. Aber das, was am Samstagabend zu hören war, möchte ich mal unter dem Begriff „großes Kino“ einsortieren. Was Francesco Bearzatti mit dem Saxophon, Enrico Morello am Schlagzeug, Gabriele Evangelista am Kontrabass und Francesco Diodati mit der Gitarre zuwege brachten – der Meister wäre stolz auf sie gewesen, hätte er sie live in Gschwend erleben können. So sah und hörte er sie vielleicht über dem Livestream, denn erstmals sei das Konzert auch live am heimischen PC mitzuerleben gewesen, sagte Rainer Klein vom Bilderhaus. Der Abend stand ganz im Zeichen des Italo-Jazz von Enrico Rava und eigentlich sollte der „Grandseigneur des italienischen Jazz“ (O-Ton Rainer Klein) auch selbst die Trompete blasen. Aber eine Krankheit verhinderte das. Für ihn sprang Saxophonist Francesco Bearzatti ein, denn die Italiener waren froh, auch mal wieder auf einer Bühne Weiterlesen

Iserlohn ist Criminale-Stadt

6. Oktober 2020 0

Iserlohn, 21.09.2020 – Es ist soweit: Iserlohn erwartet im April 2021 die CRIMINALE, das Festival für Kriminalliteratur des SYNDIKATS. Namhafte nationale und internationale Autorinnen und Autoren entdecken die Stadt Iserlohn und bringen ihre Geschichten ins Sauerland. Die erste offizielle Pressekonferenz mit dem Vorstand der SYNDIKATS und den Organisatoren der CRIMINALE findet am 4. Oktober 2020 um 17.30 Uhr in der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf statt. Gemeinsam mit dem Ressortleiter Kultur Jochen Köhnke informieren die AutorInnen Jens J. Kramer (Vorsitzender), Brigitte Glaser (stv. Vorsitzende) und Peter Gerdes (CRIMINALE-Beauftragter des SYNDIKATS) über das Krimifestival. Ungewöhnlich und spannend, wie das vielfältige Programm des Festivals, wird auch die Pressekonferenz. Nicht nur Pressevertreter, sondern auch interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zum Startschuss der CRIMINALE eingeladen. Dazu vergibt die Stadt Iserlohn für Interessierte 30 kostenlose Tickets. Neben den Informationen um die Aktivitäten im April 2021 erwartet Sie eine Kurz-lesung mit den AutorInnen. Es lesen (alphabetisch): Christine Bonvin: gebürtige Schweizerin lebt im Wallis. Bekannte Genusskrimis, Kurzkrimis in „Stille Nacht, tödliche Nacht“ oder Weiterlesen

Als Franco deutsche Juden in die Gaskammern schickte Brigitte Lamberts: El Gustario de Mallorca und das tödliche Gemälde

11. September 2020 0

Im Grunde genommen eine gute, wenn auch nicht gerade neue Idee. Ein auf Mallorca angesiedelter Regional-Krimi mit einer Art kulinarischer Rundreise und Restaurant-Empfehlungen auf der von Deutschen adoptierten Insel. Für mich inzwischen sowas wie das Costa Rica Alemaniens. Und wer sich auch nur rudimentär mal mit der Insel beschäftigt hat weiß, dass sie nicht nur aus Ballermann besteht, sondern wunderbare Ecken besitzt, die zu erkunden sich allemal lohnt. Ebenso wie es ein Genuss ist, die Insel kulinarisch zu erforschen. Hier hat Brigitte Lamberts eingehakt. Mit ihrem Gastro-Kritiker Sven Ruge schuf die Autorin einen Charakter, der schon zum dritten Mal statt für seinen deutschen Auftraggeber zu kritisieren lieber auf der Insel kriminalisiert. Dieses Mal ist es die spanische Geschichte unter General Franco und deren Umgang mit deutschen Juden, die sich nach Spanien und im Buch insbesondere nach Mallorca geflüchtet hatten, in der Hoffnung dem Holocaust zu entgehen. Nach dem mit Hitlers Unterstützung gewonnenen Bürgerkrieg wies Spanien viele deutsche Juden aus. Denjenigen, denen es nicht gelang zu Weiterlesen

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