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Überwältigend – Lumberjack-Bigband und die „Airlettes“ im Oberhofenpark in Göppingen Alexander Eissele: „Irgendwie ist Glenn Miller wie eine Beethoven-Symphonie. Alles irgendwie sauleicht, aber man muss sehr diszipliniert spielen.“

15. März 2021 0

Göppingen. „Man weiß vorher, dass es gut wird.“ Annette Heyd brachte es auf den Punkt, bevor der erste Takt gespielt war. Musik und gute Laune – dafür ist die Lumberjack Swingband mit Bandleader Alexander Eissele eigentlich immer ein Garant. Und was sich am Sonntagabend im Oberhofenpark dann zwei Stunden lang abspielte, war trotz aller Corona bedingten Einschränkungen ein musikalisches Feuerwerk. Für Göppingen war es eine doppelte Premiere. Zum ersten Mal war der Oberhofenpark als musikalische Open-Air-Kulisse gewählt worden. Übrigens eine Wahl, die einem Sechser im Lotto gleich kommt und die Frage aufwirft: Warum kam keiner schon früher auf die Idee? Und die erstmalige Zusammenarbeit der Staufer Festspiele mit der Lumberjack Swingband. Denn: „Die Kultur muss in den Zeiten der Krise zusammenstehen“, sagte Alexander Warmbrunn, Intendant der Staufer Festspiele, zu Konzertbeginn. Der Oberhofenpark wirke mit seinen hochgewachsenen Platanen wie der „grüne Dom“, beschwor Warmbrunn. Und verwies darauf: „Mitsingen verboten!“ Die rund 440 Besucher, grüppchenweise auf Klappstühlen positioniert, hielten den Mund. Oft schweren Herzens, denn die Musik Weiterlesen

Konzert des Schweigens

7. März 2021 0

Gschwend. Ein Konzert des Schweigens. Nicht der Stille. Das aus Italien stammende Duo Rita Marcotulli und Luciano Biondini kam aus, ohne zu sprechen. Während ihres Livestream-Auftritts am Samstagabend im Bilderhaus in Gschwend sprachen sie kein Wort. Was ungewöhnlich ist. Denn die Musiker stellen gewöhnlich einander vor. Sagen etwas zur Musik und den einzelnen Stücken. Kündigen sie an, nennen die Titel, den Komponisten. Manchmal etwas zum Hintergrund und zur Entstehungsgeschichte. Aber nicht dieses Mal. Und so hatte der Auftritt des italienischen Musikerpaares durchaus etwas von Pantomime an sich, als sie am Ende des rund 90 Minuten währenden Konzertes ohne ein Wort zu sagen, aufeinander zeigten, um sich gegenseitig dem für sie nicht sichtbaren Publikum zu präsentieren. Das war für die Musiker ebenso invisibile wie die Straße, nach der das Motto des Konzerts benannt worden war: „La Strada invisible“. Dabei spielte der Name des Kultfilms von Frederico Fellini von 1954 nicht zufällig eine Rolle. In Deutschland kam der Film unter dem Titel „La Strada – das Lied Weiterlesen

Albtraum Livestream

14. Februar 2021 0

Gschwend. Es hat sowas albtraumhaftes an sich: Der Song verklingt, die Musiker lösen die Hände von den Instrumenten – und kein Applaus erklingt. In Zeiten von Corona und Livestreams leider eine Realität und auch für den Kritiker und Berichterstatter eines Konzerts, der dieses am Computer erlebt, ein Novum. Aber ausgestattet mit einem durchaus hochwertigen Kopfhörer wurde der Auftritt des Jakob Bänsch Sextetts am Samstag im Gschwender Bilderhaus schnell zu einer musikalisch neuen und vor allem positiven Erfahrung. Frontmann und Trompeter Jakob Bänsch ist mit 17 Jahren der jüngste im Sextett. Ihn begleiten Jakob Manz (19) am Altsaxophon, Lukas Wögler (20) Tenorsaxophon, Moritz Langmaier (20) am Klavier, Malte Wiest (20) am Schlagzeug und als einzige Frau Loreen Sima (19) am Kontrabass. Das Alter der Musiker zeigt auch, dass offenbar um die Jahrtausendwende eine Generation in Deutschland geboren wurde, die sich wieder verstärkt dem Jazz zuwendet und sich dabei an eine Generation von Musikern erinnert, die vor allem in den 50er bis 70er Jahren das musikalische Genre Weiterlesen

Hinterm Horizont geht’s doch nicht weiter

10. November 2020 0

Was ist die „Wahrheit über Metting“? Ein Heimatroman wie ihn Autor Tom Liehr auf seiner Website (www.tomliehr.de) bezeichnet? Ein Gesellschaftsroman? Eher nein. Am ehesten trifft es noch Entwicklungsroman. Tomás Lebesanft, dessen Vornamen Tomaasch ausgesprochen wird, was aber keiner tut in dieser niedersächsischen Kleinstadt Metting, wird hineingeboren in die 60er Jahre, die kaum zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg einerseits geprägt sind von Wirtschaftswunder, Wiederaufbau und sich Zurechtfinden, andererseits aber auch von Beklemmung, Engstirnigkeit, Vorurteilen und Rassismus. Eine Welt, in der Lehrer mit Schulmeister-Allüren die Kinder zu mündigen Demokraten heranziehen sollen und kläglich scheitern, weil sie selbst nie lernten, vorurteilsfrei zu denken; weil sie, aufgewachsen in einer brutalen Diktatur, nie vertraut gemacht wurden, eigenständig zu handeln, sich zu hinterfragen. Im Gegenteil. Sie wurden erzogen, wie die meisten Erwachsenen dieser Generation, zu gehorchen und eine vermeintliche Autorität, zu der für Kinder jeder Erwachsene zählte, nicht in Frage zu stellen. Toms Eltern betreiben in Metting ein Altenheim. Das „Horizont“. Und in das zieht eines Tages Marieluise ein. Die Weiterlesen

Beliebt bei Beerdigungen: Always Look at the Bright Side of Life

8. November 2020 0

„Das Book of Songs, die Playlist für jede Lebenslage“ umfasst Kurzporträts von angeblich fast 500 Songs. Gezählt habe ich sie natürlich nicht. Aber es ist eine Liste von Songs aus den vergangenen 60 Jahren, die in Kapitel mit – nunja … unorthodoxen – Überschriften unterteilt ist. Wie zum Beispiel „Songs mit großartigem Intro“. Oder „Songs über Geschwister“. Oder „Songs, die eigentlich Kurzgeschichten sind“. Oder „Songs, die in Filmen vorkommen“. Dagegen fehlen Kapitel mit „Songs, die Filme bekannt machten“ oder „Songs, die unser Leben beeinflussten“. Die Porträts der Songs sind leider so kurz gefasst, dass sie nur einen – ja, notdürftigen Blick auf die Entstehungsgeschichte zulassen. Und nicht alles ist 100-prozentig korrekt wiedergegeben. Mir fiel auf, dass im Kapitel „Songs über Prostitution“ auch „Just a Gigolo“ aufgeführt ist und dessen Ursprung korrekterweise mit Österreich angegeben ist. Allerdings führt Autor Colm Boyd den Text auf ein Gedicht zurück, was eben nicht stimmt, denn es war ein zu seiner Zeit (1924) schon bekannter Librettist und Schlagertexter (Julius Brammer), Weiterlesen

Ben Oliver: The Loop

7. November 2020 0

„The Loop“ ist ein dystopischer Thriller. Und wie die meisten dystopischen Thriller erzählt er dem Leser die düstere Vision einer „Was wäre wenn …“ Geschichte. Vorausgeschickt: Das Erstlingswerk des Briten Ben Oliver ist spannend, auf neudeutsch sagt man auch ein „Pageturner“, ein Buch also, das den Leser fesselt und ihn daher animiert, eine Seite nach der anderen umzublättern, um weiter zu lesen. Das macht er gut und unterhaltsam. „The Loop“ – die Schleife – ist ein ein kreisförmig gebautes Jugendgefängnis, in dem die zum Tod verurteilten unter 18 Jahre alten Insassen 24 Stunden am Tag in Einzelhaft sitzen. Lediglich eine Stunde am Tag erhalten sie eine Art Hofgang. Die Zelle öffnet sich und bietet ihnen Zugang zu einem beidseitig mit hohen Mauern abgegrenzten Hof. Mit ihren Nachbarn können sie sich zwar unterhalten, sie können sie aber nicht sehen. Dass die Mauern nicht überstiegen werden, darauf achten die von „Happy“ gesteuerten Drohnenwächter. Happy ist die allmächtige Instanz. Sie überwacht die Gefangenen, über die jeweils in den Zellen installierte Monitore wird das Leben der Inhaftierten Weiterlesen

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