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Rund gelutscht und flach geschrieben.

Verschwoerung von David Lagercrantz

Die Erben von Stieg Larsson und die, die sich dazu berufen fühlten, gaben sich viel Mühe, einen würdigen Autoren zu finden, der die Trilogie um die Hackerin Lisbeth Salander zum Vierteiler auswalzt. Dass dabei ausgerechnet die Entscheidung auf David Lagercrantz fiel, war keine gute. Zumindest nicht für das Buch.

Lisbeth Salander trägt in diesem Buch den Kain und Abel Kampf mit ihrer Zwillingsschwester aus – verdammt, wie hieß doch gleich? – und das über eine Unzahl von Seiten. Zugegeben, die lesen sich schnell leicht, flüssig. Aber sie entbehren jeglicher Emotionen. Sie sind glatt, wenig eckig. Sie haben mit dem ursprünglichen, manchmal etwas schwergängigen und deshalb so charmanten Stil von Stieg Larsson soviel zu tun wie ein rund geschliffener Findling aus Skandinavien mit einem Stück eckigen, kantigen Granit aus der  . .. nun sagen wir mal von der Schwäbischen Alb. Oder dem Schweizer Jura. Wobei letztere Stieg Larsson symbolisieren.

Im Spiegel wurde es bei Erscheinen des Buchs treffend dargestellt, als Maren Keller und Sebastian Hammelehle sich damit in Form eines Interviews befassten.

Fragt Keller Hammelehle: Würdest du dir von Lagercrantz Ratschläge zum Schreiben holen, wenn er in der Redaktion in deinem Nachbarbüro säße?

Antwortet Hammelehle: Nur dann, wenn ich vorhätte, einen sehr stromlinienförmigen Krimibestseller zu verfassen. Es liegt tatsächlich ein gewisser Grundwiderspruch darin, dass ausgerechnet ein Autor wie Lagercrantz, der kaum einen einen eigenen Stil hat, einen Schrat wie Blomkvist beschreibt. Und dann auch noch eine so extreme Heldin wie Salander. (Den ganzen Bericht finden Sie hier: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/bestseller-die-stieg-larsson-fortsetzung-verschwoerung-a-1051745.html).

Wo sich Blomquist in seiner ganzen Emotionalität und erkennbaren Zorn über das zugrunde gegangene, inzwischen korrupte Sozialsystem seines Heimatlandes Schweden seinen Frust von der Seele schreibt – so wie schon Jahrzehnte zuvor Maj Sjöwall und Per Wahlöö in ihrer Martin-Beck-Reihe und die damit erst den Skandinavien-Krimi den Weg nach Mitteleuropa ebneten – wirft Lagercrantz nun Kitsch hinterher.

Davon abgesehen, dass Lagercrantz zwei Jahre nach den NSA-Enthüllungen von Edgar Snowden die NSA, die russische Mafia und was sonst noch passt auf der einen Seite und die reinen Seelen der europäischen Mittelschicht, die unter anderem beschrieben wird mit den Sätzen: „Er glaubte an die Liebe. Er glaubte an eine bessere Welt und an eine gerechtere Gesellschaft. Er war der Beste von uns allen“ auf der anderen Seite reinen Kitsch präsentiert und sich weigert, auch nur ansatzweise in die Tiefe zu schürfen.

Als Fazit ist festzuhalten: Es tut mir leid um die Bäume, die des Papiers wegen gefällt wurden.

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