News Ticker

Jede Kuh ist intelligenter als dieses Buch

Steffen Jacobsen: Sühne. Cover-Foto. Randomhouse

Es ist eines jener Bücher, für die mir die Bäume leid tun, die des Papiers wegen, auf das es gedruckt wurde, gefällt werden mussten. Wenn es neben Tschernobyl und Fukushima etwas gab, was man der Welt hätte ersparen müssen, dann dieses Buch: Steffen Jacobsen – „Sühne“. Ist es schon vom Plot her gequirlte Kacke, wird durch die eindimensionalen schwarz-weiß Figuren, die durch einen bräsigen Sprachbrei gezogen werden, nicht besser. Viele Stellen lesen sich, als seien sie per copy & paste aus einer Datenbank für Serienromane wahllos und ohne Zusammenhang aneinander gepinnt.

Es ist ein Buch, das mich maßlos geärgert hat. Dabei ist die Grundidee noch nicht mal schlecht. Ein Pharmakonzern entwickelt ein Medikament gegen eine Tropenkrankheit und stellt während der Erprobung in Äthiopien fest, dass es eine unerwartete Nebenwirkung hat: Es heilt in Windeseile auch Diabetes.

Dann aber die Entwicklung des Plots. Mir kam es vor, als habe ein 14-Jähriger seine traumatischen Pubertätserlebnisse verarbeiten wollen. Der Konzern, der auch fettes Geld mit Insulin verdient, heuert eine Killertruppe an, die alle umbringt, die mit dem Medikament in Berührung kamen. Nur ein Arzt überlebt. Als nun der Aufsichtsratsvorsitzende erfährt, dass er unheilbar Krebs hat, will er seine Geschichte biografisch veröffentlichen, was aber einigen Hintermännern im Konzern gar nicht gefällt. Sie lassen also den Mann umbringen und gleichzeitig auch den Journalisten, der als Ghostwriter die Biografie verfassen sollte. Nur dass dieser Ghostwriter ausgerechnet der Freund eines früheren Elitesoldaten ist, der einst für die Firma arbeitete, die die Morde in Äthiopien beging. Der macht sich nun daran, seinen Freund zu rächen. Dabei kommt er dem überlebenden Arzt auf die Spur, hinter dem auch die Killer her sind, weil der ja der einzige Zeuge des Massakers in Äthiopien ist.

Aber der Schwachsinn geht noch weiter: Inzwischen ist der einstige Elitesoldat selbst als Auftrags-Killer unterwegs und bringt eine Reihe Prominenter um, die alle in Ekel-Kinder-Snuff-Pornos verstrickt sind. Dabei stellt er sich aber derart dämlich an, dass seine Frau, die bei der dänischen Reichspolizei arbeitet, ihm auf die Schliche kommt. Aber sie liebt ihn ja: „Bedingungslos. Das simpelste und schwerste Unterfangen der Welt, weil du nicht leicht zu lieben bist.“ Frauenliebe aus unterbelichteter Männersicht.

In dieser Art gestelzter Dialoge nimmt sie ihm das Versprechen ab, seine Profession aufzugeben, sonst werde sie ihn verlassen. Haha, wer‘s glaubt. Außerdem muss die Alte ganz schön doof sein, wenn sie erst im fünften Band der Reihe merkt, was für‘n Macker der Erzeuger ihrer fünf Jahre alten Tochter ist.

Die Botschaft, die vermittelt wird: Kinderschänder müssen nicht vor Gericht, die darf man so umbringen. Und die Mörder von Kinderschändern tun ein gutes Werk für die Gesellschaft. Kriegsverbrecher dagegen sind alle nicht so schlimm. O-Ton Steffen Jacobsen: „Serbische Kriegsverbrecher gehen mir am Arsch vorbei. Um die soll sich der Teufel kümmern“, lässt er seinen Helden sagen. Als ob serbische Kriegsverbrecher keine Kinder schänden.

Hab ich schon erwähnt, dass die Sprache derart platt, voller Klischees, kruder Metaphern und dummer Vergleiche ist, dass man die Verfasser der Jerry-Cotton-Hefte für den Literatur-Nobelpreis vorschlagen sollte? Gleichzeitig wird gewaltsam mit infantilem, billigem Witz versucht, eine Humorschiene zu legen. Beispiel: Als nämlich unser Held bei einem Anschlag fast zu Tode kommt, sein Bein vom gerammten Auto eingeklemmt wird, findet man ihn als zwei Kühe ihm tröstend das Gesicht ablecken.

Ganz ehrlich, ich halte jede Kuh für intelligenter als dieses Buch.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

X