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Waldlive: Frei und spontan

Trio Flo & Fauna mit Frontman Florian Hartz (Gitarre), Jakob Dinnebier (Schlagzeug) und Lukas Langguth (Klavier). Foto: deondo

Göppingen. Nur etwa 39 Gäste loggten sich am Mittwochabend in den inzwischen traditionellen Livestream der Göppinger Jazz-IG ein. Man darf aber ohne Übertreibung feststellen: Diejenigen, die sich nicht in den Livestream auf Youtube einschalteten, haben etwas verpasst. Mit dem Trio „Flo & Fauna“ um den 26-jährigen Augsburger Florian Hartz kam ein ganz neuer Wind in „Lambert‘s Music Hall“, wo die Aufzeichnungen stattfinden.

Gleichzeitig war es aber auch für die Jazz-IG Göppingen ein Aufbruch in eine gesicherte Zukunft. Vor wenigen Wochen wurde der 58 Mitglieder zählende Verein für sein Engagement als einer von 37 Vereinen Baden-Württembergs in das Zukunfts- und Rettungsprogramm „Neustart Kultur“ aufgenommen und erhält von der Gemeinschaft der Kulturstiftungen der Länder finanzielle Unterstützung. Jetzt kam die finanzielle Zusage, mit der der Verein seine technische Ausstattung zur Produktion digitaler Inhalte erwerben kann. 

Für das bundesweite Förderprogramm hatten sich insgesamt 677 Projekte beworben. Unterstützt werden Kultureinrichtungen bei der Entwicklung digitaler Angebote und der Anschaffung der dafür notwendigen Technik. Die Jazz-IG wurde damit für ihr Engagement belohnt, wöchentlich jeweils Mittwochs ein Konzert im Livestream zu produzieren und engagierten Musikern eine Plattform in Zeiten zu bieten, in denen öffentliche Auftritte nicht oder nur eingeschränkt möglich sind.

Trio Flo & Fauna mit Frontman Florian Hartz. Foto: deondo

Und grade weil öffentliche Auftritte mit Publikum derzeit eben nicht möglich sind, freuten sich mit Florian Hartz (Bass-Gitarre) auch seine Mitstreiter Jakob Dinnebier (Schlagzeug) und Lukas Langguth (Klavier) über diesen Livestream Act.

Auf die Jazz-IG sei er gestoßen, als er sich mal orientiert habe, welche „coole locations es in Deutschland so gebe“, sagte Hartz. Als er in Göppingen fündig geworden sei, sei klar gewesen: „Da müssen wir mal spielen.“ Anderseits habe man die coronabedingte Pause genutzt, die nächste CD, die voraussichtlich Anfang 2022 herauskommen werde, zu erarbeiten. Es wäre die zweite CD nach dem Debütalbum „Waldlive“, aus dem das Trio den Auftritt am Mittwochabend bestritt: „Mal in den Wald zu gehen, entspannen, sich frei fühlen.“ Erfrischend spontan klingt die Musik, auch wenn man manchmal das Gefühl bekommt, der Komponist saß während seines Waldspaziergangs mal in einem Ameisenhaufen und mal bei lauem Wind unter Laubbäumen. Das eine Mal dokumentiert die Musik das quirlige Waldleben, das andere mal die sanfte Brise auf einer Lichtung, auf der womöglich ein Reh sich äsend niederlässt. Mal aufgeregt, dann wieder beruhigend.

Aber natürlich kommt keiner an Corona vorbei. Weder die Mitglieder der Jazz-IG, die sich einem Schnelltest unterziehen mussten, bevor es ins Studio geht, noch die Musiker, die ihre Eindrücke auch musikalisch verarbeiten. DasGefühl, das entsteht, „wenn man im Zimmer sitzt und zuviel über sich nachdenkt“ drückt man eben am besten und effektivsten in einem Corona-Song aus.

Dabei wirkt Florian Hartz auf der Bühne wie ein zu früh erwachsen gewordener Jugendlicher. Er hüpft, er springt, er rückt immer wieder seine etwas zu groß geratene und dadurch im schmalen Gesicht professoral wirkende Brille zurecht. Er begeistert sich. An der Musik. An dem Auftritt. An der Bühne. Wenn man ihn so sieht, glaubt man nicht, dass der junge Mann mal Mathematik studierte, bevor er sich letztlich für die Musik entschied.

Das Konzert kann auf Youtube unter diesem Link angesehen und gehört werden:
https://www.youtube.com/watch?v=DX8MLv3sp5w

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